Was können Sie hier sehen?

Zunächst drehen sich zwei gestreifte Scheiben auf einem zweigeteilten Gitter als Hintergrund. Das ist aber nur der Aufmacher… Wenn man den horizontalen Schieber anfasst, kann man die Scheiben von Hand drehen. Ziel ist sie zueinander parallel (genauer: kollinear) einzustellen. Dann folgendes ausprobieren:

• Auf den “±”-Knopf klicken. Dann kehrt sich die Gitterrichtung des Hintergrundes um, und die Scheiben erscheinen nicht mehr korrekt eingestellt.
Oder
• Auf den “hide”-Knopf (verstecken) klicken. Wenn dadurch das Hintergrundgitter ganz verschwindet, sieht man dass man die Scheiben meist nicht völlig kollinear eingestellt hat. Links kann man die Winkeldifferenz ablesen.

Die Demonstration ist so aufgebaut, dass man sie als kleines Experiment benutzen kann: Quantitative Messung der Täuschungsstärke in Abhängigkeit vom Hintergrundswinkel.

Wie funktioniert das?

Auf englisch ist das als “Tilt Illusion” bekannt, was man mit Gitterneigungs-Täuschung oder Kipp-Gitter-Täuschung übersetzen könnte. Zuerst beschrieben von Gibson (1937); Blakemore et al. entwickelten die Hypothese dass die Täuschung durch laterale Hemmung zwischen cortikalen Orientierungsdetektoren entsteht. Es gibt (auf englisch) einen vorzüglichen Wikipedia-Artikel über diese Täuschung, ihre Geschichte und die Erklärungsansätze.

Quellen

Blakemore C, Carpenter RHS, Georgeson MA (1970) Lateral inhibition between orientation detectors in the human visual system. Nature 228:37–39

Gibson JJ (1937) Adaptation, after-effect, and contrast in the perception of tilted lines. II. Simultaneous contrast and the areal restriction of the after-effect. J Exp Psychol:553–569

Wikipedia: Visual tilt effects

[→ Weitere Informationen auf Englisch]

→Sehphänomene