Necker-Würfel

Content on this page requires a newer version of Adobe Flash Player.

Get Adobe Flash player

Was können Sie hier sehen?

Wenn Sie die blaue Figur rechts ansehen, werden Sie bestimmt sofort einen Würfel erkennen, der langsam rotiert.

Nun die Knöpfe Reset und Stop schnell hintereinander drücken, so dass wir in Ruhe die Ausgangsfigur betrachten können. Nach längerem Betrachten passiert es ihnen vielleicht plötzlich, dass die Orientierung des Würfels plötzliche umklappt, zwischen den beiden Möglichkeiten unten rechts; dort ist die Orientierung durch Schattierung eindeutig gemacht (“disambiguiert”). Jedoch im “Necker-Würfel”, so der Name der blauen Figure, sind beide Orientierungen etwa gleich wahrscheinlich.

Was kann ich noch machen?

Wenn man einmal das Umklappen gesehen hat, kann man experimentieren. Wie ist es damit, die Orientierung zu “halten”? Normalerweise ist das nicht möglich. Nach 10 s oder so klappt er doch wieder um.

Die bevorzugte Orientierung hängt davon ab, welche Ecke man fixiert.

Umklappen kann durch Lidschläge ausgelöst werden.

Umklappen des rotierenden Würfels dreht auch die wahrgenommene Drehrichtung um.

Es gibt noch einen Zusatztrick, der mit dem Necker-Würfel eigentlich nichts zu tun hat: Wenn man den Impossible-Knopf drückt, so wird die Orientierung auf die Ausgangsfigur gesetzt und die Drehung abgeschaltet. Stattdessen schiebt sich von links ein grüner Stab durch den Würfel. In der Endposition: ist das ein mögliches Objekt? Nein, das ist eine “unmögliche Figur”. Interessant finde ich, dass dadurch die Würfelorientierung destabilisiert wird, der Würfel klappt häufiger um.

Wie funktioniert das?

Warum klappt der Neckerwürfel um? Zunächste muss man sich klar machen, dass die Wahrnehmung eines 3-dimensionalen Würfels selbst schon eine Interpretation ist unseres Gehirns ist – auf dem Bildschirm ist ja nur ein 2-dimensionales flaches Linienbild, man kann es sich als Schatten vorstellen. Diese Linien können in vielfacher Weise interpretiert werden, z.B. könnten auch in Zick-Zack gebogene Drähte denselben Schatten werfen. Unser Wahrnehmungsapparat wählt die, auf Grund unser Seherfahrung, wahrscheinlichste Interpretation aus, eben einen Würfel.

Also wir sehen einen Würfel, aber warum klappt er um? Es gibt 2 mögliche, etwa gleich wahrscheinliche, Würfelorientierungen die denselben Schatten haben. Ich stelle mir das so vor, dass im Wahrnehmungsraum 2 Attraktoren vorliegen, für jede Orientierung einer. Wenn die Wahrnehmung in einem Attraktor sitzt, fühlt sie sich zwar wohl, doch durch Adaptation wird der Attraktor zunehmend flacher. Jede Störung, seien es Lidschläge, Augenbewegungen oder Kommandos“von oben” hat es zunehmend leichter, die Wahrnehmung aus einem Attraktor herauszuschaukeln, dann rutscht sie in den anderen, nicht adaptierten Attraktor, und er Zyklus beginnt von neuem.

Der Neckerwürfel hat viele Wissenschaftler fasziniert weil er offenbar Wahrnehmen und Sehen entkoppelt: obwohl das Bild sich nicht ändert, ändert sich die Wahrnehmung. Es gibt unheimlich viele Veröffentlichungen dazu, Long & Toppino (2004) haben eine schöne Übersicht gegeben.

L. A. Necker war ein Schweizer Mineraloge. Er entdeckte das Umklappen zufällig als er Kristallzeichnungen betrachtete.

Quellen

Necker LA (1832) Observations on some remarkable phenomenon which occurs in viewing a figure of a crystal or geometrical solid. London and Edinburgh Phil Mag J Sci 3:329–337

Long GM & Toppino TC (2004) Enduring interest in perceptual ambiguity: Alternating views of reversible figures. Psychological Bulletin, 130(5), 748–768

Kornmeier J, Bach M (2012) Ambiguous figures – What happens in the brain if perception changes but not the stimulus. Frontiers Human Neurosci 6:51 [PDF]

Projekte in meinem Labor: Was passiert im Gehrin wenn die Figur umklappt?

Verwandte Phänomene: “missing corner cube” und rotating silhounette.

[→ Weitere Informationen auf Englisch]

 
→Sehphänomene