Was können Sie hier sehen und tun?

Das Gitter oben flackert geradezu wild. Um es zu zähmen, bewegt man den Finger längs des Gitters mit einer Geschwindigkeit von ca. 2 s für die ganze Breite, und folgt dem Finger mit dem Blick. Wenn man die richtige Geschwindigkeit trifft, dann scheint sich das ganze Gitter gleichmäßig mitzubewegen. Und wenn man den Finger zurückbewegt, dann geht auch das Gitter andersherum!
Mit ein wenig Übung geht das auch, ohne dass der Blick mit dem Finger geführt wird.

Tatsächlich ist im Bild gar keine Bewegung, sondern nur eine schnelle Musterumkehr: schwarz wird zu weiß und umgekehrt, etc. Ab und zu ruckt das Ganze, diese Störungen kommen von der Interatkion mit dem zweiten Zeitmuster der Bildschirmaktualisierung des Rechners.

Man kann mit der Umkehrgeschwindigkeit experimentieren (rps): je schneller, desto schneller bewegt sich auch das Gitter. Man kann die Balkenbreite ändern (px): je feiner, desto langsamer.

Wie funktioniert das?

Während man diese Scheinbewegung sieht, machen die Augen eine sog. glatte Folgebewegung, unterbrochen von Rückwärtsrucken; das ganze nennt man “okulokinetischen Nystagmus”. Das vorliegende Phänomen wurde “Sigma-Bewegung” genannt von O. J. Grüsser, aber von James Pomerantz als erstem beschrieben. Es beruht darauf, dass unser Gehirn die Augenwegung vom Netzhautbild “abzieht” um keine Scheinbewegungen bei Augenbewegungen auftreten zu lassen (“Efferenzkopie”). Da aber alle Streifen identisch sind, ist die wahrscheinlichste Interpretation der Gesamtsituation eine scheinbar Gitterbewegung.

Quellen

Behrens F, Grüsser OJ (1979) Smooth pursuit eye movements and optokinetic nystagmus elicited by intermittently illuminated stationary patterns. Exp Brain Res 37:317–336

Pomerantz JR (1970) Eye movements affect the perception of apparent (beta) movement. Psychonomic Science 19:193–194

[→ Weitere Informationen auf Englisch]

→Sehphänomene