Was können Sie hier sehen?

Halten Sie den Blick ruhig auf das zentrale rote Kreuz. Die Bewegung zum Zentrum hin wird alle 17 s für 3 s von einem ruhenden Buddha abgelöst. Fällt Ihnen auf, dass der Buddha nach einiger Zeit nicht mehr ruht, sondern sich aufbläht?

Was kann man noch ausprobieren?

Sie können die Geschwindigkeit mit “cps” (cycles per second) rechts verändern. Man die Bewegung von Kontraktion auf Expansion umstellen.
Und man kann den “interokularen Transfer” ausprobieren: mit einem Auge adaptieren (mindestens 30 s lang), und dann mit dem anderen Augen testen (dazu die Bewegung mit Stop im rechten Moment anhalten). Ergebnis: die Adaptation überträgt sich (weitgehend) auf das Partnerauge. Schlußfolgerung: die Adaptation tritt im Gehirn auf, nicht im Auge.

Wie funktioniert das?

Dieses Phänomen nennt sich “Bewegungsnachwirkung”. Meistens wird das auf eine “Erschöpfung” der Bewegungsdetektoren im Gehirn zurückgeführt. Treffender ist eine “Bereichseinstellung”: dauernde Bewegung wird “abgezogen”, um kleine Veränderungen davon genauer wahrzunehmen.

Bei ängeren Autobahnfahrten (lieber die Bahn nehmen ;-)) entstehen dadurch Gefahren: die eigene Geschwindigkeit wird nicht mehr so stark wahrgenommen, und beim Ausfahren ist man dann zu schnell.

Die Spiralen-Nachwirkung wurde zum erstenmal 1849 von Joseph Plateau (1801–1883) beschrieben. Die Variation mit drei verschachtelten Spiralen stammt von dem Zauberer Jerry Andrus.

Quellen

Plateau J (1849) Bull Acad Roy Sci B A Belg 16:254–260

Wade NJ, Heller D (2003) Visual motion illusions, eye movements, and the search for objectivity. J Hist Neurosci 12:376–395

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