Was können Sie hier sehen und tun?

Nebenan sieht man 3 blaue Scheiben. Die erste davon springt immer zum Ende und zurück, nicht wahr?

Nun drücken Sie die Taste “18”. Zwischen den Verschiebungen werden die Scheiben jetzt ausgeblendet, und zwar für 18 Frames, das entspricht 301 ms wie links in Grau angezeigt.

Wenn diese Zeit (ISI, für “Inter-stimulus Intervall”) bei ca. 100 ms liegt, dann springt anschaulich die ganze Gruppe hin- und her. Wenn man mit dem Knopf “colour tags” Farbmarkierungen an den Scheiben anbringt, dann springt bei hohem ISI trotzdem die ganze Gruppe, und unser Wahrnehmungssystem akzeptiert den Farbwechsel.

Wie funktioniert das?

Dies ist ein typischer Fall von “Scheinbewegung” und viel erforscht worden, ohne dass man schon genau wüsste wie es funktioniert. Es wird meist “Ternus Display” genannt nach dem deutschen Psychologen Josef Ternus, doch wurde es als erstem von Julius Pikler beschrieben. Trickreiche Experimente (z.B. Otto et al. 2008) benutzen den Effekt um zu unterscheiden ob eine bestimmte Verarbeitung im Sehsystem am Netzhautort hängt oder durch die Gruppierung auch verschoben werden kann.

Quellen

Pikler J (1917) Sinnesphysiologische Untersuchungen. Leipzig: Barth

Ternus J (1926) Experimentelle Untersuchungen über phänomenale Identität. Psychologische Forschung 7:81–136

Otto TU, Öğmen H, Herzog MH (2008) Assessing the microstructure of motion correspondences with non-retinotopic feature attribution. J Vision 8:(7)1–15

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→Sehphänomene