Unten sieht man ein Erdbeertörtchen. Alle Farben sind etwas blau-grünlich, aber die Erdbeeren sind rot, oder?

Tatsächlich ist in Bild absolut nichts rotes. Das kann man zu einen sehen, wenn man die Maus über's Bild schiebt (oder antippt): Dann wird vieles maskiert, und in den kleinen Löchern verschwindet das Rot (fast). Außerdem kann man die Verteilung aller vorkommenden Farben prüfen (links): Alle Farben liegen links from Neutralpunkt in der Mitte. Um das deutlicher zu machen, habe ich 3 Rechtecke in das Bild eingefügt, die stärker gesättigte Farben haben (unten links), und das sieht man dann auch in der Farbverteilung (unten rechts).

Das Programm für die Farbverteilungen hatte ich für “Das Kleid” entwickelt, man kann es hier herunterladen.


Links unten sieht man deutlich die zusätzlichen Farbrechtecke. Und sie erscheinen auch in der Farbverteilung (rechts). Sie verteilen dort sich etwas, dass liegt an der JPEG-Kompression die ich mit dem Bild vorher gemacht hatte.

Wie kann man das erklären?

Viele glauben, dass man Erdbeeren aus Gewohnheit immer rot sieht. Da gibt es auch einen kleinen Effekt (Hansen et al. 2006). Meine simple Modifikation unten zeigt jedoch, dass noch mehr im Spiel ist.


Liks habe ich die Erdbeeren mit ähnlich-farbigen Ovalen ersetzt. Es ist kein Rot im Spiel, wie man an der Farbverteilung oben sieht. Dennoch scheinen einige Ovale rötlich, obwohl sie ja definitiv keine Erdbeeren mehr sind…

Wie funktioniert das?

Dies ist eine nette & starke Demonstration der “Farbkonstanz”, entwickelt von Akiyoshi Kitaoka 2015. Ich vermute hier 3 Mechanismen im Spiel:

  1. Das Überwiegen der blau-grünen Farbtöne verschiebt unseren Weißpunkt, was dazu führt dass objektiv unbunte Flächen einen roten Farbton annehmen.
  2. Farb-Simultankontrast spielt auch mit. Das schließe ich aus der Tatsache, dass ich die Ausschnitte für die Maske oben sehr klein und sehr gezielt machen musste: Sobald ein Schattenbereich dabei ist (und da reichen schon die kleinen Dellen in der Erdbeere), erscheint's wieder etwas rötlich.
  3. Objekt-specifisches Gedächtnis ist auch noch dabei: Zwar erst n=1, aber ein Deuteranoper berichtet mir, dass die Ovale bestenfalls bräunlich erscheinen, aber die Erdbeeren richtig in's Rote gehen. (Das kann aber auch den den Vertiefungsschatten liegen.)

Quellen

Kitaoka A (2015) Apparent reddish strawberries. ECVP contribution

Hansen T, Okkonen M, Gegenfurtner K (2006) Memory modulates color appearance

 

[→ Weitere Informationen auf Englisch]

→Sehphänomene